Märchen, Mythen und Sagen 👇
von Nicole Hauser - 02.02.2026 - 0 comments
Märchen, Mythen und Sagen 👇
Wenn die Seele durch Symbole spricht: Warum Märchen unsere besten Lehrmeister sind
Lange war ich überzeugt: Märchen sind aus der Zeit gefallen – grausam, altbacken und nichts für Kinder. Heute weiß ich: Weit gefehlt.
„Es war einmal...“ – Mehr als nur Nostalgie
Was, wenn in diesen alten Geschichten Botschaften stecken, die ewig gültig sind? Was, wenn sie nicht das Außen beschreiben, sondern unsere Innenwelt spiegeln? Während wir unsere Welt technologisch perfektioniert haben, blieb der Blick nach innen oft auf der Strecke. Märchen, Mythen und Sagen haben dieses Wissen über Jahrhunderte bewahrt und in unsere Zeit gerettet.
Die psychologische Kraft der Metapher
Meiner Erfahrung nach spiegeln Märchen psychische Konflikte wieder. Die Metaphern geben uns einen Rahmen, um Probleme aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Sie sind gefüllt mit Symbolen, Farben und Prüfungen:
- Die roten Schuhe: Ein Bild für den Verlust der Individualität und die Falle der Sucht. Wenn wir unser wahres Selbst für ein vermeintlich glänzendes Leben aufgeben, geraten wir in einen Tanz, den wir nicht mehr stoppen können.
- Die Wolfsfrau: Wie Clarissa Pinkola Estés beschreibt, zeigen uns diese Geschichten, wie seelisch ausgehungerte Menschen in Fallen tappen – aber auch, wie wir wieder herausfinden.
Vasalisa die Weise: Das Erbe der Intuition
Ein Märchen, das ich immer wieder zur Hand nehme, ist die Geschichte von Vasalisa. Es beginnt mit einem schmerzhaften Verlust, doch die sterbende Mutter hinterlässt ihrer Tochter ein unbezahlbares Geschenk: eine kleine Puppe.
Diese Puppe ist weit mehr als ein Spielzeug. Sie ist das Symbol für die weibliche Intuition. Die Mutter lehrt Vasalisa: „Wenn du den Weg verlierst, frage diese Puppe um Rat. Füttere sie, und sie wird dir helfen.“
Vasalisa muss sich gegen die Missgunst ihrer Stieffamilie behaupten und wird schließlich in den dunklen Wald zur Hexe Baba Yaga geschickt. In der tiefsten Finsternis, zwischen unheimlichen Reitern und den Gefahren des Waldes, ist es die Puppe – ihr innerer Kompass –, die ihr den Weg weist.
Der Blick nach innen
Märchen laden uns ein, die „Arbeit in uns“ aufzunehmen. Sie zeigen uns, dass wir die Werkzeuge (wie Vasalisas Puppe), um durch die dunklen Wälder unseres Lebens zu finden, längst in uns tragen. Wir müssen nur lernen, sie wieder zu „füttern“.
Warum wir Märchen heute dringender brauchen denn je
Märchen sind kein verstaubtes Relikt aus vergangenen Tagen, sondern lebendige Wegweiser für unsere Psyche. Sie lehren uns, dass die größten Gefahren oft nicht im Außen lauern, sondern im Verlust der eigenen Identität – wie bei den „Roten Schuhen“. Gleichzeitig geben sie uns die Lösung an die Hand: die Rückkehr zur eigenen Intuition, verkörpert durch Vasalisas kleine Puppe.
In einer Welt, die immer lauter, schneller und digitaler wird, bieten uns Märchen, Mythen und Sagen den nötigen Rückzugsort für die „Arbeit im Inneren“. Sie sind die Sprache der Seele, die uns daran erinnert, dass wir alles, was wir für unsere Prüfungen brauchen, bereits in uns tragen. Wir müssen nur den Mut haben, den Blick nach innen zu richten und die Botschaften neu zu lesen.
Buch Empfehlung : Clarissa Pinkola Estés, Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte; Wilhelm Heyne Verlag,
„Als ich mich auf die Suche nach dem Zauber meiner Heimat machte – ohne dabei das Wort Christentum zu gebrauchen –, tauchte ein Märchen nach dem anderen auf. Ich begegnete Menschen, die Antworten kannten, doch das Beste war: Ich fand jemanden, der mich in die Kunst des Seelenfliegens einweihte und mich bis heute unterrichtet. So entstand sie, meine eigene Landkarte der Magie, und sie ist noch lange nicht fertig. Zur Erinnerung an das Märchen der Wissenden Vasalisa trage ich nun einen Ring, der mich stets an diesen Weg erinnert.“
Liebe Grüße
Nicole
