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Die Magie unserer Ahnen (Teil 1)

Die Magie unserer Ahnen (Teil 1)

von Nicole Hauser - 17.08.2026 - 0 comments

Die Magie unserer Ahnen (Teil 1)

Zweiter Merseburger Zauberspruch:

Wie das alte heidnische Wissen im Verborgenen überlebte

Manchmal müssen wir gar nicht weit reisen, um auf echte, unverfälschte Magie zu stoßen. Wir müssen nicht nach Ägypten oder in andere spirituelle Kulturen schauen. Die tiefste Volksmagie liegt direkt unter unseren Füßen, verborgen in der Erde und in den mündlich überlieferten Geschichten unserer eigenen Heimat.

Im Jahr 1841 wurde in Merseburg ein jahrhundertealtes Schriftstück wiederentdeckt. Zwischen all den starren Aufzeichnungen jener Zeit stieß man auf ein echtes Juwel: ein paar versteckte Zeilen in Althochdeutsch, die aus einer ganz anderen Welt stammten.

Es waren zwei Zaubersprüche. Und sie riefen die alten, heidnischen Götter an, die man eigentlich längst zum Schweigen bringen wollte.

Gerettet im Verborgenen: Der magische Notfall-Zettel

Das Heidentum und die Naturmagie waren für die Menschen damals keine Theorie, sondern pulsierender Alltag. Wenn das Vieh krank war oder Gefahr drohte, halfen die neuen, aufgezwungenen Lehren den Bauern auf den Höfen nicht. Sie brauchten die Magie, die sie seit Generationen kannten.

Dass diese Sprüche überhaupt aufgeschrieben wurden und die Zeit überdauerten, grenzt an ein Wunder. Jemand musste dieses Wissen so unendlich wertvoll gefunden haben, dass er es heimlich im Verborgenen festhielt und wie einen Schatz hütete. Es war der magische Notfall-Zettel der einfachen Menschen.

Wenn das Pferd lahmt: Der zweite Merseburger Spruch

Besonders der zweite Spruch ist ein absolutes Meisterwerk der Volksmagie. Es ist ein Heilzauber für ein verletztes Pferd. Für die damaligen Menschen war ein lahmendes Pferd eine Katastrophe – es bedeutete den Verlust der gesamten Existenz.

Der Spruch erzählt eine kleine Geschichte: Phol (Balder?) und Wodan (Odin?) ritten in den Wald. Da verrenkte sich das Pferd von Balders Gefährten den Fuß.

Nun versuchen verschiedene Naturgöttinnen, den Fuß zu besprechen. Doch ihre Magie reicht nicht aus. Erst als der weise Ur-Gott selbst die Hand anlegt, passiert das Wunder.

Der Spruch endet mit den magischen Worten, die wie ein rhythmischer Ur-Gesang gewoben sind:

„Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob sie geleimt seien!“

Die Ur-Form des „Besprechens“

Hier sehen wir die reine Wurzel der Volksmagie, wie sie unsere Ahnen noch bis ins 20. Jahrhundert hinein genutzt haben. Die Technik ist denkbar einfach, erdig und kraftvoll:

  1. Die Analogie (Das Bild): Man erinnert an eine Geschichte, in der die Naturkräfte oder alten Götter ein Problem gelöst haben.
  2. Die Übertragung: Was damals in der Anderswelt gelang, soll jetzt im Hier und Jetzt bei dem kranken Tier (oder Menschen) passieren.
  3. Der Rhythmus: Die Worte werden gemurmelt oder rhythmisch gesprochen, um die Energie direkt in die Realität fließen zu lassen.

Obwohl die Machthaber über die Jahrhunderte versuchten, diesen alten Glauben auszulöschen, war die Volksmagie im Volk nicht totzukriegen. Die Menschen hielten im Geheimen an ihren Ritualen fest. Sie ließen sich ihren Zauber nicht nehmen – sie praktizierten ihn einfach im Verborgenen weiter oder verpackten sie in Märchen und Erzählungen.

Magie zum Anfassen: Was wir daraus lernen können

Der Merseburger Zauberspruch zeigt uns, dass wahre Volksmagie extrem pragmatisch ist. Sie braucht keine goldenen Hallen, keine starren Dogmen und keine Institutionen. Sie braucht nur deine Absicht, dein Focus, deine Stimme und die Verbindung zu den Götter, Geiser und Ahnen.

Sie fragt: Was hilft jetzt in diesem Moment?

Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, dass in deinem Leben etwas „verrenkt“ ist – sei es ein Projekt, ein Gefühl oder eine Situation –, denk an diesen uralten Zauber. Manchmal braucht es kein kompliziertes System. Es braucht nur ein klares Bild im Kopf, deinen eigenen Rhythmus und deine feste Absicht, die Dinge wieder zusammenzufügen.

Zweiter Merseburger Zauberspruch:

 

Phol und Wodan begaben sich in den Wald

Da wurde dem Fohlen des „Balders“ sein Fuß verrenkt

Da besprach ihn Sinthgunt, die Schwester der Sunna

Da besprach ihn Frija, die Schwester der Volla.

Da besprach ihn Wodan, wie er es wohl konnte.

So Bein-renkung, so Blut-renkung,

so Glied-renkung:

Bein zu Bein, Blut zu Blut,

Glied zu Glied, wie wenn sie geleimt wären

 

 

Im nächsten Teil unserer Reihe schauen wir uns das „Heilen“ und Besprechen im Dorfalltag genauer an – und wie die weisen Frauen der Dörfer ihre Rezepturen und Sprüche trotz aller Gefahren bewahrten.

 

„Ein kleiner Hinweis von Herzen: Ich möchte dieses alte Wissen auf meinem Blog für dich sichtbar machen und selber im Alltag anwenden – aber ich unterrichte es nicht. Wenn du das Besprechen oder die traditionelle Schutzmagie von der Pike auf richtig lernen möchtest, gibt es da draußen wunderbare, erfahrene Lehrerinnen und Lehrer, die fantastische Kurse dazu anbieten. Es lohnt sich, tiefer einzutauchen!*“❤️

Nicole🙃

 

Schlagwörter: Die Magie unserer Ahnen (Teil 1) Der Merseburger Zauberspruch